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Der neue PmBok Guide 6th, sehr dediziert kommentiert, von Renee Ossowski, PMP Trainer (Kap. 11/1)

Antizipierend oder Reaktiv? Für die PMP Zertifizierung schon immer von hoher Relevanz!

PmBok 6thDer neue Prozess „Risikobewältigungsmaßnahmen umsetzen“ fällt im Kapitel 11 sofort ins Auge. Dafür wurde der Prozess „Risiken steuern“ gestrichen. Macht Sinn, da diese Begrifflichkeit „Risiken zu steuern“, eine Unmöglichkeit darstellt. Ein Risiko tritt ein oder tritt nicht ein, da gibt es nichts zu steuern. Genau genommen, sind alle Bewältigungsmaßnahmen reaktiv zu interpretieren. „Risiken steuern“, impliziert eher eine antizipierende Vorgehensweise. Antizipierend oder proaktiv, sind aber nur die Planungselemente oder das Risikomanagement als Ganzes. Ohne Risikoeintritt, sind die Planungselemente und Bewältigungsmaßnahmen nicht mehr von Belang.

Der Vorgang der „Steuerbarkeit“ wird nur noch im reaktiven Kontext genannt, nämlich die Steuerung der Folgen eines Risikos (S. 424, PmBok 6th)

In der PMP Prüfung werden antizipierende Maßnahmen sowie reaktive Maßnahmen gerne hinterfragt.

Grundsätze für das Risikomanagement nach PMI

In den einleitenden Grundsätzen, wird der Begriff der Risikotoleranz nicht mehr genannt. Nach wie vor definiert PMI die Begriffe Risikoschwelle und Risikobereitschaft.

Dafür werden die Begriffe „Einzelnes Risiko und Gesamtrisiko“ stärker in den Fokus gerückt. Die bisherige Sichtweise des Pmbok Guides bezüglich des Gesamtrisikos, kam erst im Prozess „Quantitative Risikoanalyse“ zu einer bewerteten Gesamtwirkung auf das Projekt. Jetzt wird schon in den Grundlagen das Gesamtrisiko fokussiert und nicht nur als Summe aller Einzelrisiken identifiziert, sondern als Ergebnis verschiedenster Quellen von Unsicherheiten interpretiert.

In den Trends, einer neuen Rubrik in allen Wissensgebieten des PmBok Guides, werden in diesem Kontext Ereignis bezogene und nicht Ereignis bezogene Risiken identifiziert. Die Ereignis bezogenen PMP SeminarRisiken unterlagen bisher ausschließlich der Sichtweise des PmBoks. Nicht Ereignis bezogene Risiken, werden in „Schwankungsrisiken und Risiken aus Unklarheiten“ unterteilt. Diese beiden nicht Ereignis bezogenen Kategorien, werden in den Grundlagen näher beleuchtet.

Im Abschnitt „Belastbarkeit des Projekts“ findet sich einer neuer Begriff: „Unerkennbare Unbekannte (Risiken)“. Bisher, als auch im neuen PmBok Guide, fand man die Begriffe „unbekannte Unbekannte und bekannte Unbekannte“. Die „bekannten Unbekannten (Risiken)“ wurden bisher als Risiken beschrieben, die bezogen auf Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungsgrad bewertbar waren, die unbekannten Unbekannten dagegen nicht.

Der neue Begriff der „Unerkennbaren Unbekannten“ wird im PmBok Guide 6th ähnlich definiert: Risiken, die erst nach Eintritt erkennbar werden.

Eine schlüssige Erklärung zur Einführung dieses 3.Begriffs zusätzlich zu den „bekannten und unbekannten Unbekannten“, liegt nicht vor. Der deutsche PmBok Guide und der englischen PmBok Guide unterscheiden sich in diesem Fallnicht. .

Es wird darauf hingewiesen, dass die agilen/adaptiven Methoden, anders als beim sequenziellen Wasserfallmodell, in jedem Inkrement Risiken iterativ aktualisieren.

Die Prozesse des Risikomanagements

Der Prozess „Risikomanagement planen“ unterscheidet sich in der neuen Version im Prinzip nicht. Nur das Flussdiagramm nimmt – wie in anderen Wissensgebieten auch – eine andere Darstellung vor. Der Datenfluss aus der Planung mündet nicht in den anderen Prozessen des Risikomanagements sondern im Projektmanagementplan (PMP). Des Weiteren ändert sich das Werkzeug „Analytische Methoden“ in „Datenanalyse“, wobei die Stakeholderanalyse explizit genannt wird.

Neuer Ausgangswert: Risikostrategie. Ansonsten wurden einige  Begriffe verändert, sind aber inhaltlich gleich geblieben.

Der Prozess „Risiken identifizieren“: Die Liste der Eingangswerte wurde präzisiert. So wurden der Projektmanagementplan und die Projektdokumente mit entsprechenden Aufzählungen versehen. Sonst ergeben sich keine erwähnenswerten UnsozialÄnderungen.

Neue Dokumente und Werkzeuge im Rahmen der Werkzeuge und Methoden:

  • Innerhalb der Checklisten wird jetzt auch eine „generische Checkliste“ genannt(11.2.2.2). Wenn die „normale Checkliste“ auf eigene Erfahrungen zurückgreift, basiert die generische Checkliste auf Branchenerfahrungen.
  • Die soziale Kompetenz ist ebenfalls ein neues Werkzeug im Rahmen der Risikoidentifikation. Sie wird hier aber nur als Mittel der Moderationsfähigkeit genannt, eine Hilfestellung zu bieten, die Risikoidentifikation für das Team effizienter zu betreiben. Meiner Ansicht nach, sollte die soziale Kompetenz ebenfalls im Rahmen der Risikoanalyse genutzt werden, soziale Risiken besser antizipierend zu erkennen. Nach wie vor gilt: Die meisten Projekte scheitern wegen sozialer Konflikte.

Fortsetzung folgt

 

Hier schreibt: Renee Ossowski, PMP

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