Blog | Projektmanagement

Agilität im Projektalltag

Oder wo „Forming – Storming – Norming – Performing – Adjourning1“ zu kurz greifen

 

Und nicht „Agilität im Projektmanagement“. Denn darin liegt meiner Meinung nach ein großer Unterschied.

Agilität im Projektmanagement klingt nach Methode und festem Vorgehen, auch wenn Unerwartetes passiert. Das wird aber nur bedingt oder gar nicht funktionieren. Von daher sind die Ansätze von SCRUM hinsichtlich der festen Zeitvorgaben recht einengend und suggerieren ein gelungenes Steuern jeglicher Dynamik. „Echte“ Dynamik lässt sich nicht einfangen und somit auch kaum steuern. Vielmehr ist die Kompromissfrage zu klären, wieviel Raum lasse ich der Dynamik?

Mit „Agilität im Projektalltag“ sollen die unvorhersehbaren Entwicklungen einer Gruppe während des Projektvorgehens hervorgehoben werden. Dabei unterscheidet sich die Gruppe von der Organisation darin, dass es in der Gruppe die Kommunikation eines jeden mit jedem braucht, was in der Organisation wegen schon ausgemachter Regeln nicht mehr der Fall ist. Die Gruppe stellt somit eine nicht steuerbare und sich selbst organisierende Einheit dar. Sind Teams Bestandteil einer Organisation entsteht hier eine Paradoxie.

 

Diese Sicht auf und Definition von Gruppe wird dann brauchbar, wenn ich im Projekt zu erwartende Komplexitäten durch die Komplexität einer Gruppe beantworten möchte (Fritz Simon spricht vom Mehrhirndenken2). Um das Problem zu lösen, plantParadoxien (letztendlich) der Projektleiter die Kapazität der Gruppe ein. Dieser muss er einen Freiraum geben, um aus der Kapazität die gesuchte Kreativität entstehen zu lassen. Ein Verordnen von „Kreativität“ klappt nicht, denn wie schon Peter Kruse zur kollektiven Intelligenz3 sagt, ist „Kreativität eine indirekte Variable“.

 

Die Herausforderung besteht aus meiner Sicht darin, der Gruppe zu früh das eigentliche Problem mitzuteilen. Dadurch könnte der Gruppenbildungsprozess, die Momente der in die Gruppe gegebenen Kommunikation als Teil des Findungsprozesses, zu schnell der Kommunikation über das Sachthema geopfert werden. Dadurch könnten die gruppendynamischen Prozesse, in deren Ergebnis die Gruppe die Bedingungen für sich erarbeitet, in denen eine produktive Anschlussfähigkeit von Gedanken und Ideen gelingt, zu schnell enden oder gar nicht erst starten. 

 

Interessant ist, wie eine kontinuierlich Bearbeitung komplexer Herausforderungen in einer stetig gleichen Gruppe durch ausreichend neue Dynamik erhalten bleiben kann. Irgendwann im Gruppenfindungsprozess ist (immer wieder) der Moment zu spüren, „jetzt haben wir uns alles gesagt“. Ist die Gruppe dann bereit, für ewig auf höchstem Gruppenniveau zu produzieren? Oder braucht es die permanente Neuöffnung des Raums, da es immer ein „Noch mehr“ gibt? In einer vom Projektmanagement losgekoppelten Gruppendynamik ist der Rahmen durch die Kursdauer gegeben. Die Befeuerung der Gruppe hierbei ist durch das Wissen um die auszufüllende Zeit bedingt. Wäre die nicht, würde sich die ein oder andere Gruppe aus oben genannten Gründen schon vorher trennen. Wann also darf die Gruppe sich im Projektalltag trennen, weil sie der Meinung ist, sich auch dort alles gesagt zu haben und somit die höchste Produktivitätsstufe erreicht zu haben?

 

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1 PmBok Guide S. 338.

2 Simon Weber & Friends – Gruppendynamik.

3 Prof. Peter Kruse über Kollektive Intelligenz (YouTube).

 

Hier schreibt: Alexander Gutendorf, Geschäftsführender Gesellschafter der SONOXO GmbH und SONOXO Akademie GmbH.

 

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