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Der kleine Eustress im Kopf vom Dipl. Kaufmann Heinrich Schmiedeeisen (7. Teil)

Schwerpunkte im heutigen Artikel:

  • Bus fahren als Stressauslöser
  • Projektcontrolling und Business Intelligence; Mind Mining, Case-Based-Reasoning
  • CPI und SPI

Heinrich Schmiedeeisen benutzt heute mal die öffentlichen Verkehrsmittel und lässt sein Auto in der Garage. Er will im Bus einige wichtige Unterlagen durchgehen. In einem interdisziplinären Meeting soll es heute darum gehen, das Thema Business Intelligence (BI) zu beleuchten. Bisher ist man mit diesem Thema im Unternehmen noch nicht wirklich angekommen.

Der Bus kommt pünktlich an der Bushaltestelle an. Im Bus muss Heinrich Schmiedeeisen leider feststellen, dass es keine Sitzplätze mehr gibt. Er landet genau im Mittelteil des Busses, zwischen einem Kinderwagen und einem Rollstuhl. Das ist schlecht! 30 Minuten im Stehen mit dem Aktenordner in der Hand, das ist nicht prickelnd. Überall Jugendliche auf den Sitzen. Heinrich Schmiedeeisen setzt einen traurigen Dackelblick auf, um ein wenig älter auszusehen. Aber keiner der Jugendlichen macht Anstalten, ihm seinen Platz anzubieten. Er überlegt, ob er seine „Goldene Kunden-Punkte-Sammelkarte“ aus dem Supermarkt als Behindertenausweis missbrauchen soll. „Son Pech aber auch, dass die Karte vergoldet ist“ flucht er in sich hinein „Behindertenausweise sind bestimmt nicht vergoldet“.

Jäh wird er durch eine schnarrende Stimme aus seinen Gedanken gerissen. „Dieter, wat machst Duuu denn hier?“ Er sieht eine sehr verwahrloste, heruntergekommene ältere Frau vorne rechts auf dem Behindertensitz. Ihr Gesicht ist aufgedunsen und impliziert das Gesicht einer extremen Alkoholikerin. Ihr grauer, langer Lodenmantel erweckt den Eindruck, auch ohne menschlichen Inhalt nicht in sich zusammen zu fallen. Sie hat sich zu ihm umgedreht und schaut ihn geradewegs an. Schmiedeeisen schaut sich selbst um, weil er vermutet, der besagte Dieter steht hinter ihm. Da sitzt aber nur eine Frau im Rollstuhl, die dazu für die Dame auf dem Behindertensitz gar nicht einsehbar ist. „Dieter, jetzt tu nicht so. Wie lange ist das her?“ Alle Jugendlichen zwischen dem Behindertensitz und dem Rollstuhl, sind inzwischen auf das Wiedersehen nach scheinbar vielen Jahren aufmerksam geworden. In neugieriger Erwartungshaltung schauen jetzt all die Jugendlichen Heinrich Schmiedeeisen an. Hier scheint sich ein interessanter Dialog anzubahnen. Einige stecken sogar ihr Smartphone ein und lehnen sich gemütlich zurück. Heinrich hat heute seinen besten Anzug, ein schneeweißes Hemd und eine der schönsten Krawatten aus dem Kleiderschrank gezaubert. Irgendwie bereut er das gerade.

Der kleine Eustress ist im Hirn von Heinrich Schmiedeeisen gerade wach geworden und erkennt sofort die etwas peinliche Situation. Heinrich könnte zwar das große 1X1 oder die Ergebnisse von 15 hoch 1 bis 15 hoch 10 durchdeklinieren, um spontan die Situation zu entkrampfen, dazu fehlt ihm jedoch jegliche KEUAgilität in der rechten Gehirnhälfte. Seine Medienaffinität hat ebenfalls dazu beigetragen, relativ kreativitätsneutral an kleineren Problemen zu scheitern.  Das einzige was ihm einfällt zu tun, ist seinen neuen PmBok Guide aus der Tasche zu holen und mit gewichtiger Miene darin zu lesen. Eine 15-jährige auf der Sitzbank vor ihm meint „oberlehrehaft“ mit euphonisch klangvoll modulierter Stimme: „Sie müssen das Buch aber anders herum halten, um es lesen zu können“. Die Jugendlichen fangen an sich über Heinrich zu amüsieren. Jetzt ergreift Heinrich allmählich ein panisches Gefühl. Der kleine Eustress bemerkt, dass der linke „Gyrus frontalis inferior“ erhebliche Aktivitäten anzeigt. Diese Region ist zuständig für Sprachverarbeitung, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und die Regulierung von Gefühlen. Der kleine Eustress muss aktiv werden! Der kleine Eustress erhöht kurzfristig den Serotoninspiegel, in dem er die Zunahme von Kohlenhydraten simuliert. Ausdauersport eignet sich auch sehr gut zur Erhöhung des Serotoninspiegels, aber dieser muss natürlich präventiv kontinuierlich betrieben werden.

Heinrich Schmiedeeisen wird ruhiger. Jetzt heißt es, den einen oder anderen kreativen Geistesblitz zu generieren, was für Heinrich Schmiedeeisen bei seiner eingleisigen Denkweise an ein Wunder grenzen würde. Divergentes Denken gehört nicht zu seinen Kompetenzen, außer in der Mathematik natürlich. Da Heinrich Schmiedeeisen aber regelmäßig „Deutschland sucht den Superstar“ sieht, fällt ihm spontan Dieter Bohlen ein.

Äh…Gnä….Frau, Dieter Bohlen können Sie beim Fernsehen besuchen, ich heiße Heinrich Schmiedeeisen!“ Die Jugendlichen fanden den Spruch eher ziemlich malle. „Natürlich!!“ geifert die Dame auf dem Behindertensitz, „Du bist der Heini, jetzt weiß ich es wieder. In der Schule hattest Du immer einen Zeigefinger am Abakus und einen Zeigefinger in der Nase!“

Jetzt war es um Heinrich geschehen. Die Frau kannte ihn wirklich. Allerdings ist ihm diese Variante lieber, als das ihm die Jugendlichen unterstellen, ein engeres Verhältnis zu der Dame gepflegt zu haben. Keiner kann was dafür, wer mit ihm in die gleiche Klasse ging. Das mit dem Finger in der Nase ist dennoch peinlich! Jetzt lässt Heinrich den „Bösen“ raus: „Ich habe vielleicht ab und zu den Zeigefinger in meiner Nase gehabt! Aber sieh Dich an und dann sieh mal mich an!“ Heinrich bereut es jetzt doch nicht mehr seinen besten Garn angezogen zu haben. „Ich fahre auch sonst mit meinem Mercedes zur Arbeit!“ Jetzt erntet er Buh-Rufe von einigen der Jugendlichen. Der Kommentar war nicht gerade sehr Menschenfreundlich. Aber man muss es Heinrich Schmiedeeisen nachsehen. Die soziale Stratifikation ist normalerwiese kein Makel für ihn. Aber er ist mit der Situation vollkommen überfordert. Doch jetzt naht Hilfe von außen. Der Bus hält und Tabea Hufhammer steigt ein. Trotz ihrer 90 Kg wirkt sie durchtrainiert und leichtfüßig.

„Herr Schmiedeeisen, Sie hier?" „...und nicht in seinem Mercedes!“, tönt es aus Richtung Behindertensitz. Tabea Hufhammer schaut etwas irritiert in Richtung Behindertensitz. „Einfach nicht beachten“ flötet Heinrich Schmiedeeisen in Richtung Tabea. „Ja ich habe meinen Wagen heute mal in der Garage gelassen, war aber das erste und letzte Mal. Sind Sie heute nicht auch bei dem Meeting zu BI?“

„Ja natürlich. Sie auch, das ist ja toll, Herr Schmiedeeisen. Ich bin ja froh das sich da endlich mal was bewegt in Richtung BI. Gerade auch als Projektleiter komplexer Projekte ist ein analytisches Informationssystem unverzichtbar. Die Datenaufkommen werden immer gewaltiger, die Termine immer stringenter und die Budgets immer geringer.“

Sie haben Recht, Frau Hufhammer, BI-Anwendungen könnten insbesondere auch den Projektmanagern helfen, Datenfluten zu verdichten. Gerade Data Mining und Case-Based-Reasoning könnten im Projektcontrolling helfen, einerseits Daten zu sichten und Muster zu extrahieren, andererseits auf Basis von Analogien älterer Projekte, Verbindungen herzustellen und in Folge damit Prognosen oder Hypothesen zu erstellen. Aber gerade beim Case-Based-Reasoning sehe ich bei uns das Problem, das gar keine signifikanten Dokumentationen ehemaliger Projekte vorliegen. Sogar im PmBok Guide 3.0 wurde schon gepredigt, Assets (Prozessvermögen der Organisation) zu dokumentieren, die im Nachhinein vom PMO aufgearbeitet werden und als Datenbank für zukünftige Projekte zur Verfügung zu stellen. Das sehe ich nun bei uns nun gar nicht. Und BI braucht nun mal Daten aus allen denkbaren Richtungen.“

„Heiniiii, hast Du Deinen Abakus und Deinen Nasenreiniger dabei?"

Tabea Hufhammer schaut wieder irritiert in Richtung Behindertensitz. „Nicht darauf achten, gar nicht darauf achten“, lässt Heinrich Schmiedeeisen gebetsmühlenartig verlauten. „Wenn man solchen Leuten Beachtung schenkt, wird es nur noch schlimmer."

Den Kopf noch leicht in Richtung Behindertensitz gedreht, bemerkt Frau Hufhammer: „Ich stimme Ihnen zu, Herr Schmiedeeisen, die Dokumentation der Projektverläufe stellt ein großes Problem dar. Welcher Projektleiter berichtet schon gern über seine Fehlentscheidungen und Fehlprognosen? Oder welcher externe Projektleiter gibt gern sein Know how preis, wie er bestimmte Erfolge eingefahren hat? Da wird ganz schön der Deckel drauf gehalten.“

„Ich muss gestehen Frau Hufhammer, ich war sehr neugierig und habe mich gestern Nacht mal ein wenig ins Earned Value Management eingelesen. Mir sind da besonders die Indizes CPI und SPI aufgefallen. Ich denke, die könnten sehr hilfreich sein, Projektleiter dazu zu bewegen, bei Schwankungen außerhalb einer Range, diese Schwankungen gründlich zu kommentieren.“

„Apropos, Herr Schmiedeeisen, ich habe gestern mal mit dem PMP Trainer telefoniert. In dem Seminar in 3 Wochen könnten wir teilnehmen.“ „Ich werden den Termin mal prüfen, Frau Hufhammer, aber ich glaube wir müssen aussteigen.“ Fast auf dem Bürgersteig angekommen vernehmen die beiden aus Richtung Behindertensitz „Ja, ja Heini….ich kenn Dich!“

Der kleine Eustress ist jetzt sehr zufrieden mit der Entwicklung der rechten Gehirnhälfte von Heinrich Schmiedeeisen. Heinrich versteckt sich nicht mehr ausschließlich auf der Sachebene, erste Tendenzen in Richtung Beziehungsebene sind erkennbar.

 

Lesen Sie im Teil 8:

Wird sich im Unternehmen vonHeinrich Schmiedeisen in Sachen Business Intelligence etwas bewegen?
Absolvieren Frau Hufhammer und Herr Schmiedeeisen gemeinsam die PMP Prüfung?
Packt Heinrich Schmiedeeisen im Rahmen der PMP Zertifizierung die „1 Billionen Synapsen Produktion“ unter zur Hilfenahme von Volition und einer „lebenslangen Lernstrategie“?
Erzeugt  Heinrich Schmiedeeisens Gehirn ausreichend intrinsische Motivatoren, um eine Gewichtäquivalenz zu Tabea Hufhammer zu erreichen!
Kommt es zur Verschmelzung beider Gehirne im Rahmen einer gemeinsamen Lebensplanung?
Diese und weiter Fragen werden in den nächsten Folgen  geklärt.

 

Renee Ossowski, PMP

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