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Der kleine Eustress im Kopf vom Dipl. Kaufmann Heinrich Schmiedeeisen (4. Teil)

Dieser Artikel streift folgende Themen:

  • Wie geht das Gehirn mit neuen Informationen um?
  • Arbeitswelt 4.0
  • Motorik und Sensotorik
  • Kollektives Wissen
  • Sender-Empfänger Modell

Der kleine Eustress hat beschlossen, sich eine Weile aus dem öffentlichen Leben zurück zu ziehen. Auch ein „kleiner Eustress“ muss mal chillen, damit sein inneres Gleichgewicht erhalten bleibt und nicht verrückt spielt. Sonst wird er bald zur Plage für die Menschen, denn zu viel Eustress führt, ähnlich wie bei zu viel Distress, zum Burn out.KEU

Dazu hat er sich das Gehirn von Heinrich Schmiedeeisen1 ausgesucht. Hier existieren noch synapsenfreie Areale, in denen man es sich so richtig gemütlich machen kann. Der Diplom Kaufmann ist ein Genie im Steuerrecht und auf dem Gebiet der Mathematik, auf anderen Gebieten aber eher unterbelichtet. Etwa 104 Synapsen verbinden Neuronen mit Wissen zum Thema Steuerrecht und mathematischen Kenntnissen, und nur 107 Synapsen bilden Netzwerke in allmeinen Wissensgebieten und Erinnerungen aus seinem bisherigen Leben. 90% aller Informationen anderer Wissensgebiete erreichen nicht einmal die Nähe eines der beiden Hyppocampusse von Heinrich Schmiedeeisen, sodass die Gedächtnisleistung des Heinrich Schmiedeeisen eben sehr einseitig ausgeprägt ist.

„Suppa“, sagt sich der kleine Eustress, „da der Mensch nach heutigen Erkenntnissen im Allgemeinen über 1015 bis 1020 Synapsen erzeugen kann, sollte dort ausreichend Platz vorhanden sein, so dass ich mich dort kuschelig einrichten kann.“

Der kleine Eustress hat den Heinrich Schmiedeeisen auch längere Zeit beobachtet, um sicher zu gehen, dass es im Gehirn von Heinrich Schmiedeeisen nicht zu unvorhergesehenen Turbulenzen oder explosiv entstehenden Synapsen-Netzwerken kommt. Heinrich Schmiedeeisen ist CFO in einem größeren Unternehmen. Weibliche Wesen, Sport, Kino, Fernsehen, Fußball und Skat gehören nicht in seine Welt. Sein Tage und Abende bestehen aus Formeln und Zahlen. Auch an seinen einsamen Wochenenden -die er selbst nicht als einsam wahrnimmt- beschäftigt er sich mit seinem Blog „Steuerrecht für Dummies und die, die einer werden wollen“. Er postet „nur“ 2-3 Fachartikel pro Woche, da er inzwischen 50-70 Kommentare und Anfragen pro Woche beantworten muss. Nebenbei schreibt er gerade ein Buch über das neue Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Tansania und Malawi unter der Überschrift, „Internationales Steuerrecht und seine Einflüsse auf TTIP“. Mit seinen 46 Jahren und 1,79 Größe wiegt Heinrich Schmiedeeisen 125 Kg.

Nur einmal brach Heinrich Schmiedeeisen aus seiner „Steuer- und Zahlenwelt“ aus: Er wollte unbedingt die PMP-Zertifizierung für Projektleiter machen, die sich leider sehr interdisziplinär gestaltete. PM-Software wie bspw. MS-Project oder Themen wie Kommunikation, Motivation, amerikanisches Vertragsrecht etc., alles Disziplinen, die ihn „nicht die Bohne“ interessierten. Das Kennzahlensystem des Earned Value Managements hat es ihm dagegen richtig angetan. Aber dazu später mehr.

 

Die Kindheit Heinrich Schmiedeeisens.

Der kleine Eustress hat sich inzwischen im vorderen Hirnbereich, dem Stirnlappen häuslich eingerichtet. Ein Bereich, der auch für das Bewegungsverhalten eines Menschen verantwortlich zeichnet. Da Heinrich Schmiedeeisen 95% seiner Lebenszeit sitzend oder liegend verbringt, bewegt sich nicht einmal der kleine Schaukelstuhl, den der kleine Eustress mit seinem Einzug mitgebracht hat. Auch das Sprachzentrum liegt weit genug entfernt, um ungestört die letzten zwei Jahre harter Arbeit in der Türkei, Deutschland und der USA reflektieren zu können.

Aber schon nach drei Tagen besinnlicher Ruhe, erwacht der Forschergeist des kleinen Eustress. Er denkt bei sich: „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich ja mal im Cortex nachsehen, was der Heinrich Schmiedeeisen so erlebt hat in seinem Leben.“ Der kleine Eustress kann über den Cortex nur noch schwache Erinnerungen der ersten fünf Lebensjahre von Heinrich Schmiedeeisen generieren. Sicher ist, dass ihm die Großmutter schon im Alter von vier Jahren einen Abakus geschenkt hat. Und dieser Abakus hatte aus bewegungstechnischer Sicht zwei signifikante Vorteile: Man konnte das Gerät im Sitzen bedienen und man benötigte nur einen Zeigefinger. Intellektuell aber bemerkte Heinrich Schmiedeeisen schon im Alter von fünf Jahren, dass man doch sehr komplexe Rechenoperationen mit dem Gerät ausführen konnte. Im Alter von 8 Jahren bezeichneten seine Eltern ihn in Gegenwart Anderer als mathematisches Genie. Der kleine Heinrich benötigte keine Spielautos und keine Puppen, geschweige denn einen Spielbauernhof -er benötigte nur mathematisches Material, um glücklich zu ein.

Leider gaben sich seine Eltern auch damit zufrieden und meinten, alles getan zu haben, um den kleinen Heinrich auf das Leben vorzubereiten. Dass der kleine Heinrich über zwei Beine und zehn Finger verfügte, machte die Eltern des kleinen Heinrichs nicht besonders nachdenklich. Der Zeigefinger und der Kopf reichten für den Abakus ja vollkommen aus. Und auch wenn die Eltern des kleinen Heinrichs die „Arbeitswelt 4.0“ antizipiert haben sollten, so werden es auch in dieser Welt, Soziopathen relativ schwer haben.

Nun muss man den Eltern wohlwollend nachsehen, dass Themen wie sensorische und motorische Intelligenz damals noch nicht so das Thema waren. Man gab dem Kind zu essen, honorierte gute Noten zwischen 5 und 10 DM und stellte als Nanny einen Fernseher ins Kinderzimmer. Aber auch heute meinen viele Eltern, ihren Kleinen ein Tablet oder Smartphone schenken zu müssen, um die Intelligenz der Kinder sinnvoll zu fördern. Immerhin benötigt das Kind zur Bedienung des Tablets nicht nur den Zeigefinger, sondern sehr häufig mehrere Finger einer Hand, um das nächste Bild auf dem Desktop durch „Wischen“ zu erreichen.

Nachweislich besteht ein enger kausaler Zusammenhang zwischen einer gut ausgebildeten Motorik und kognitiven Fähigkeiten. So bestätigt eine 6 jährige Studie, dass das Erlernen eines Instruments (der Artikel unter diesem Link ist für Eltern sehr lesenswert) nicht nur die soziale Kompetenz erhöht, sondern auch den Intelligenzquotienten signifikant fördert. Auch Gesang gilt als Förderer von Intelligenz.

 

Der kleine Eustress hat Mitleid mit Herrn Schmiedeeisen

Mit der Zeit empfindet der kleine Eustress die innovationslosen Gehirnareale Heinrich Schmiedeeisens als sehr bedrückend und destruktiv. Immerhin erzeugt das Gehirn eines Babys in den ersten drei Lebensjahren bis zu 200 Billionen Synapsen, die die Verbindungen zwischen Nervenzellen regeln und wichtige Elemente für die Intelligenzbildung darstellen. Das wollen wir nun Heinrich Schmiedeeisen nicht zumuten, immerhin sind Babys im Vergleich zu Erwachsenen in diesem Kontext „Hochleistungssportler“. Würde man dies Heinrich Schmiedeeisen zumuten, könnte es zu einer Art „Kernschmelze“ kommen, die eher kontraproduktiv wirkt. Aber so ein paar hundert Millionen neue Nervenverbindungen könnten Heinrich Schmiedeeisen schon sehr gut tun.

Außerdem gibt dem kleinen Eustress die Bewegungsantipathie Heinrich Schmiedeeisen zu denken. Zurzeit leidet Heinrich Schmiedeeisen schon unter einer „Frozen Shoulder“, die ihm erheblich zu schaffen macht. Gerade die sehr aktive Ruhigstellung der Schulter forciert ein weiteres „Einfrieren“.Herr Schmiedeeisen

Aber wie will man Heinrich Schmiedeeisen motivieren, mal eine paar andere Gehirnareale mit neuartigen Informationen, sensorisch/motorischen Übungen oder gar Sport zu befruchten? Denn nur neue Informationen bilden neue Vernetzungen, wobei diese neuen Vernetzungen über längere Zeit intensiv gepflegt werden müssen, sonst entsorgt die interne Müllabfuhr die neuen Vernetzungen auf dem Synapsen Friedhof. Dort ruhen sie in Frieden!

Heinrich Schmiedeeisens intrinsische Motivationsfaktoren, greifen nur in Verbindung mit Formeln und Zahlen. Beim Erstellen einer Steuererklärung bspw. klatschen Heinrich Schmiedeeisens Synapsen Beifall, für unsereins eher ein Grund, in eine tiefe Depression zu fallen.

Nun, denkt sich der kleine Eustress, versuchen wir es erst einmal mit extrinsischen Motivationsfaktoren und Volition.

 

Der kleine Eustress fährt starke Geschütze auf!

Tabea Hufhammer1 ist eine sehr attraktive, intelligente und wohlproportionierte 90 Kg Feministin. Zurzeit leitet sie ein Projekt zur Einführung einer Plattform, die das Prinzip „Lernende Organisation“ im Unternehmen sicherstellen soll. Eines Ihrer wichtigsten Ziele ist es, das kollektive Wissen des Unternehmens gut strukturiert in einer Datenbank zur Verfügung zu stellen. Sie ist der Meinung, dass klassische Sender-Empfänger Modell Watzlawicks hat mehr oder weniger ausgedient, wenn man mal von der Kommunikation von Individuen auf der Beziehungsebene absieht. Kollektive Intelligenz und Schwarmwissen ist die neue Devise.

Ihre Hobbys sind Gewichteheben, Malerei und Kontrabass spielen.

Als Tabea Hufhammer heute die Kantine betritt, sitzt Heinrich Schmiedeeisen schon am Mittagstisch. Der kleine Eustress beamt sich mal eben schnell in das Gehirn von Tabea Hufhammer. Ausnahmsweise -und nur um Heinrich Schmiedeeisen vor dem eintönigen und aktionsfreien Leben zu retten- manipuliert der kleine Eustress den ventromedialen präfrontalen Cortex Tabea Hufhammers. Auch weiß der kleine Eustress, dass Menschen, die an Demenz erkranken und in ihrem Leben keinerlei musische Fähigkeiten entwickeln, etwa 5 Jahre früher an Demenz erkranken, als Menschen mit musischen Fähigkeiten.

Im ventromedialen präfrontalen Cortex Tabeas werden Entscheidungen getroffen. Und heute trifft Tabea Hufhammer die Entscheidung, sich nach der Essenausgabe zu Heinrich Schmiedeeisen zu setzen. Sie sieht in Heinrich Schmiedeeisen nicht nur einen Problemlöser bezüglich ihrer Steuererklärung sondern auch einen „ungeschliffenen Diamanten“ bezüglich ihrer familiären Lebensplanung.

„Hallo Herr Schmiedeeisen, ist hier noch frei?“ fragt Tabea Hufhammer mit dem schönsten Lächeln, das ihr Repertoire hergibt.

 

Wie gehts weiter?

Darf Tabea Hufhammer sich zu Heinrich Schmiedeeisen setzen?
Schafft Tabea Hufhammer es, ein interessantes Gespräch zwischen zwei vollkommen unterschiedlich strukturierten Gehirnen zu entfachen?
Packt Heinrich Schmiedeeisen im Rahmen der PMP Zertifizierung die „1 Billionen Synapsen Produktion“ unter zur Hilfenahme von Volition und einer „lebenslangen Lernstrategie“?
Erzeugt  Heinrich Schmiedeeisens Gehirn ausreichend intrinsische Motivatoren, um eine Gewichtäquivalenz zu Tabea Hufhammer zu erreichen!
Kommt es zur Verschmelzung beider Gehirne im Rahmen einer gemeinsamen Lebensplanung?
Diese und weitere Fragen werden im nächsten Artikel (Teil 5) geklärt.

 

Renee Ossowski, PMP

1 Die Namen „Heinrich Schmiedeeisen und Tabea Hufhammer“ sind rein fiktiv entstanden. Reale Ähnlichkeiten entspringen dem Zufall.

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