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Es war einmal ein kleiner Eustress (1.Teil)

Es war einmal ein kleiner Eustress, der in Antalya lebte. Der kleine Eustress wollte den Menschen immer nur Gutes tun. In Antalya wurde er nicht mehr gebraucht, da fast jeden Tag die Sonne schien und die Menschen daher meistens sowieso glücklich waren. Deshalb wollte er auf Reisen gehen.KEU

Er packte seinen kleinen Rucksack mit den wichtigsten Sachen ein: Motivation, Anerkennung, Y-Denke, Lob, Verliebt-sein und Erfolgserlebnisse. Dann machte er sich auf den Weg in Richtung Izmir.

In Izmir angekommen, fand er viele, viele Menschen auf den Straßen, die kein Zuhause hatten. Auf Nachfrage sagten sie ihm, dass sie nach Europa wollten. Nachts wollten sie mit Schlauchbooten über das Meer nach Griechenland, um dann weiter nach Deutschland oder Schweden zu ziehen. Überall in Izmir, sogar in den Pommesbuden, wurden Schwimmwesten verkauft. Man sah nur noch rosa.

Der kleine Eustress sah die vielen verzweifelten Menschen und kleinen Kinder und wollte ihnen Gutes tun. Da erschien plötzlich der böse Distress und brüllte den kleinen Eustress an:

„Das hier ist mein Revier! Verschwinde hier sofort oder ich werde Dich fressen!“ Der kleine Eustress musste weichen.

Das Dumme war, der kleine Eustress konnte nur dort Gutes tun, wo der Distress nicht war oder sich noch nicht richtig festgefressen hatte. Manchmal kam es sogar vor, dass der kleine Eustress vom bösen Disstress verdrängt wurde und Krankheit und Chaos brachte.

Der kleine Eustress musste aber auch auf sich selbst aufpassen. Wenn er den Menschen zu viel Gutes zumutete, konnte auch der kleine Eustress den Menschen schaden.

So zog der kleine Eustress weiter nach Istanbul. Im Gezi Park wollte er eine Pause machen. Aber auch dort waren viele unglückliche Menschen, die Angst hatten, ihren Park zu verlieren und vom Distress geplagt wurden. Er machte sich schnell auf die Socken, um nicht selbst gefressen zu werden. Er fuhr per Anhalter über die Grenze nach Griechenland.Foto: Wildschwein als Distress

Die junge Frau, die das Auto lenkte war sehr nervös und ein wenig vom Distress geplagt. Der kleine Eustress erkannte seine Chance. Er lobte die junge Frau für ihre umsichtige Fahrweise und für ihr vorbildliches Fahrverhalten. Gerade in der Türkei sind die Autofahrer fast alle vom Distress-Verkehrs-Virus geplagt. Jeden Tag werden viele Menschen auf den Straßen getötet.

Die junge Frau verlor langsam an Nervosität und lächelte sogar. Der kleine Eustress erzählte der jungen Frau dann noch einen Witz über den bösen Distress, der versucht haben soll, „sich selbst mit Apfelsaft vor einem Spiegel schön zu trinken.“ Die junge Frau musste herzhaft lachen.

Auch in Griechenland regierte der Distress! In Griechenland rollte ein Euro durch das Land und rief laut vor sich her: „Leute von heute, holt Euch Euros, denn die Euros sind bald aus!“ Ein motorradfahrender Finanzminister folgte dem Euro und zeigte manchmal auf dem Motorrad sitzend mit dem Mittelfinger in Richtung Zentral-Europa. Auch hier sah der kleine Eustress keine Chance zu wirken.

In Athen musste der kleine Eustress wieder alleine weiter reisen. Er traf wieder die Menschen aus Izmir. Der Distress hatte sie jetzt noch schlimmer im Griff als in Izmir. Kinder waren ertrunken, die Menschen waren müde und ausgelaugt. Der kleine Eustress hatte keine Chance Einfluss zu nehmen. So wollte er sich beeilen nach Deutschland zu kommen. Dort vermutete er, noch Einfluss auf Menschen nehmen zu können. 

In den Bergen aber, westlich von Tricca, kurz vor der albanischen Grenze, traf er einen sehr jungen Mann, fast noch ein Junge, an einer Felskante, mit einem Helm und einem komischen Rucksack bekleidet. „Ha“ sagte der Jüngling zum kleinen Eustress, „ Du kommst mir gerade recht!“ Der Mann packte den kleinen Eustress fest mit den Armen und stürzte sich mit ihm die Bergkante hinab. Obwohl der kleine Eustress in seinem Rucksack kein Adrenalin eingepackt hatte, schoss ihm jetzt das Adrenalin aus Augen, Mund und Nase und erfasste den jungen Mann. Man sah es an den heraustretenden Augen des Mannes, die Wahnsinn und Orgasmus zugleich offenbarten. Just in dem Moment, als sich ein Fallschirm öffnete, traten seine Augen zurück in die Augenhöhlen und entspannten sich.

Unten angekommen, war der kleine Eustress wieder frei. Der Jüngling lag entspannt auf der Erde und lächelte vor sich hin. Der kleine Eustress ärgerte sich, dass er sich hat fangen lassen. Er wusste, er hat dem Jüngling mit dem Adrenalin keinen Gefallen getan.

Stress bleibt Stress

Endlich war der kleine Eustress in München. Am Hauptbahnhof fand er viele Menschen, die der Distress noch nicht in seiner Gewalt hatte. Menschen die Geschenke und Essen an die Flüchtlinge verteilten. Der kleine Eustress wurde sofort aktiv! Die Münchner wurden immer fröhlicher und glücklicher. Sogar bei den ankommenden Flüchtlingen wich der Distress dem kleinen Eustress. Es war fantastisch!

Jetzt musste er aber endlich mal selbst eine Pause einlegen. Der kleine Eustress mietete sich ein Zimmer im Intercity Hotel am Hauptbahnhof. Abends ging er auf dem Weg zur Bar durch die Lobby an einer Tafel vorbei, auf der die zurzeit stattfindenden Seminare angeschrieben waren. Dort war auch das Seminar „Vorbereitung auf die PMP-Zertifizierung“ angeschrieben. Das war ja ein Zufall, dachte sich der kleine Eustress! Der kleine Eustress führt alle seine Vorhaben quasi im Rahmen von „Management by Projects“ durch. Eustress als Funktion von Operations oder als Routine, würde einem Menschen gar nicht gut tun. In dem Fall ist weniger mehr!

Der kleine Eustress dachte sich auch, dass neben Motivation, Lob, Y-Denke ein wenig Fachwissen in Sachen Projektmanagement nicht schaden kann. Häufig handelt er etwas unkoordiniert, hat nicht wirklich die Projektziele im Fokus und das Botenstoff-Controlling produziert hier oder da, den ein oder anderen Workaholic.  

„Kleiner Eustress, PMP“, das wird sich gut machen auf meiner Visitenkarte, dachte sich der kleine Eustress! Der Trainer Renee Ossowski war sehr froh am nächsten Morgen, als der kleine Eustress sich noch kurzfristig anmeldete. Die anderen Projektleiter sahen etwas müde und abgeschlafft aus. Von daher konnten der kleine Eustress und der Trainer mit vereinten Kräften „Leben in die Bude bringen“.

Storytelling, etwas Comedy und die eine oder andere lustige Analogie verscheuchten den nagenden Distress und es wurde eine ganz tolle Woche.

Und weil das so gut geklappt hat, haben sich der kleine Eustress und der Trainer zusammen getan und zaubern jetzt bei der SONOXO Akademie.

 

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Renee Ossowski, PMP

 

Karikatur: Hillary als Huhn Hilli

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