Rhetorik: Planen Sie eine Rede strukturiert Teil 1

Fragen, die eine Rede hinterfragen

Die meisten Reden sind keine Stehgreifreden. Aber sogar eine Stehgreifrede sollte gut strukturiert sein. Dazu später mehr.

Die meisten Reden sind terminiert und planbar und - das Publikum hat ein Recht darauf, dass es sich dabei um eine ausgereifte Rede handelt und dem Zuhörer einen Nutzen verschafft. Ansonsten wäre es „wasted time“ wie der Engländer sagt. Das man Ihre Rede als „verschwendete Zeit“ tituliert, würde sicherlich Ihren Eifer, weitere Reden zu halten, erheblich bremsen.

Welche Fragen sollten Sie sich als Redner präventiv stellen, wenn die Rede einen echten Benefit für Ihre Zuhörer darstellen soll? Lassen Sie uns mal folgende Fragen durchgehen:

1. Welcher Anlass liegt meiner Rede zu Grunde?

2. Welche Erwartungen bringen meine Zuhörer mit?

3. Möchte ich Wissen vermitteln, Verhalten verändern oder nur unterhalten?

4. Wie erreiche ich meine Redeziele?

5. Bin ich von den Inhalten meiner Rede überzeugt?

Welcher Anlass liegt meiner Rede zu Grunde?

Das Thema oder besser gesagt die Ausformulierung Ihres Themas, hat primär mit dem zu Grunde liegenden Anlass der Veranstaltung zu tun. Handelt es sich a) um eine Beerdigung, b) müssen Sie einen Kunden von Ihrem Produkt überzeugen oder c) vermitteln Sie Wissen – in jedem Fall erfordert schon die Ausformulierung des Themas, sich Gedanken über den Anlass zu machen. Der Tenor einer Überschrift könnte also schon aufgrund des Anlasses Humor, Trauer, Sachlichkeit, Enthusiasmus, Ergriffenheit, eine Vision, Religiosität oder politische Kampfbereitschaft („ab jetzt gibt es auf die Fresse“; Zitat Frau Nahles nach der letzten Wahl) suggerieren.

Wenn kein Thema vorformuliert ist, wie lautet dann das Thema? Sie glauben, dass kann nicht sein, das Thema ergibt sich schon aus dem Auftrag? Sie sind der Meinung, wenn jemand Ihnen den Auftrag erteilt, eine Rede zu halten, dann muss auch Jonnyautomatisch das Thema stehen?

Vielleicht sollen Sie vor den Teilnehmern eines Tierschutzvereins über das Schicksal von Straßenhunden sprechen. Ergo lautet das Thema:

„Das Schicksal von Straßen Hunden“?

Schon der Titel sollte Interesse erzeugen. „Das Schicksal von Straßen Hunden“ wird sicherlich Tierschützer vor dem Hintergrund Ihrer Passion, Tiere zu schützen interessieren, aber die Leute nicht gerade vom Hocker reißen. Wie wäre es denn mit:

„Das Leben und Leiden der Straßen Hunde von Thessaloniki“?

Sie bemerken gleich den Unterschied? Während „Das Schicksal von Straßen Hunden“ relativ sachlich herüberkommt, werden durch die Formulierung „Das Leben und Leiden der Straßen Hunde von Thessaloniki“ Zusatzinformationen geliefert, die einerseits das Thema mehr pointieren, andererseits schon ein wenig Emotionen erzeugen. Hier werden sicherlich auch Menschen angesprochen, die jetzt nicht unbedingt dem Tierschutzverein angehören.

Also falls es opportun ist, Emotionen zu erzeugen, dann sollte das Thema Ihres Vortrags dies durchaus leisten. Für einen Vortrag bspw. "FMEA Analyse in agilen Projekten", wären Emotionen wohl etwas deplatziert.

Allerdings spielt es auch eine Rolle, wer Ihnen zu hört. Sie sollten das Klientel vor dem Sie reden kennen. Die Klientel eines Tierschutzvereins wird i.d.R. sehr heterogen sein, von daher gilt es hier nicht unbedingt, mit der Eloquenz eines Juristen oder Bänkers in Erscheinung zu treten. Handelt es sich jedoch um eine einheitliche Klientel, ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich vorher ein Bild über die Klientel zu machen.

Ich selbst musste in diesem Kontext zwei Mal Lehrgeld bezahlen. Normalerweise rede ich vor akademisch gebildeten Projektmanagern. Einer dieser Teilnehmer buchte mich dann für einen Vortrag vor LKW Verkäufern. Vor insgesamt drei aufeinander folgende Gruppen sollte ich reden. Ich startete mit meinem gewohnten Habitus durch, den ich auch vor Projektmanagern verwende. Die Reaktionen waren durchweg negativ, was mich wiederum dann auch sehr schnell negativ beeinflusste. Für die beiden nächsten Gruppen hatte ich dann Zeit bis zum nächsten Tag. Ich analysierte das Geschehen, änderte Habitus und Strategie und konnte dadurch einen guten Kontakt zu den beiden nächsten Gruppen aufbauen.

In der anderen Situation hielt ich vor etwa 15 Jahren ein MS Project Seminar  beim Finanzministerium in Bonn. In meiner Einleitung erwähnte ich, dass ich in Hamburg einige Zeit zuvor ein Seminar für junge Akademiker hielt, Üerschrift: „Akademikerpotentiale sichern“. Hierbei handelte es sich um eine heterogene Studentenklientel, u.a. auch Juristen, die gerade die Uni verlassen haben. So gab ich in Bonn zum Besten, dass es gerade die Juristen waren, die das größte Problem hatten, den Zugang zum Projektmanagement zu erhalten.

Rhetorik Seminar BerlinEin Teilnehmer in der ersten Reihe meldete sich zu Wort und meinte, „wir sind hier alle Juristen, also geben Sie sich mal ordentlich Mühe“. Größer hätte das Fettnäpfchen nicht sein können! Abgesehen davon, dass man als Trainer keinen Anwendungsbereich diskreditieren sollte, sollte man vorher wissen, zu wem man spricht. Zum Glück hatten die Herrschaften Humor und bauten auch fachlich alle meine Ressentiments gegenüber Juristen ab.

Informieren Sie sich genau über das Klientel und passen Sie Ihr Redeverhalten, Ihr Outfit und Ihren Habitus auf die Klientel an.

 

 

 

Fortsetzung folgt. Lesen Sie im Anschluss:

2. Welche Erwartungen bringen meine Zuhörer mit?

3. Möchte ich Wissen vermitteln, Verhalten verändern oder nur unterhalten?

4. Wie erreiche ich meine Redeziele?

5. Bin ich von den Inhalten meiner Rede überzeugt?

 

Hier schreibt Renee Ossowski, PMP

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