Rhetorik: Planen Sie eine Rede strukturiert Teil 3

Lesen Sie vorher Teil 2

Sie möchten unterhalten

Genau genommen – es mag etwas pietätslos erscheinen – soll eine Beerdigungsrede auch unterhalten. Mir fällt da ehrlich gesagt nichts anderes zu ein. Schließlich geht es bei der Trauerrede nicht um Wissensvermittlung, man möchte auch kein Verhalten ändern und es geht auch nicht darum Überzeugungen zu ändern. Ja und verkaufen wollen Sie den Leuten auch nichts! Die meisten Trauerreden sind aber eher langweilig. Dies liegt häufig daran, dass der Laudator einen Spagat zwischen Lobhudelei und Miesmacherei leisten muss - je nachdem, wie der nicht mehr unter uns weilende Laureat – also Jonny - sein Leben gelebt hat. Grundsätzlich gilt, dass der Laureat positiv dargestellt werden sollte, auch wenn er sein Leben lang, das ihn umgebende soziale Umfeld getriezt und beschämt hat. Und Fremdschämen ist häufig anstrengender als sich selbst zu schämen.

Die Effekte einer Trauerrede sollten sich i.d.R. allerdings anders darstellen als bei einer Unterhaltungsshow oder einem Stand Up. Das Ergebnis sollte „ein in sich gehen“ und natürlich ein Es leber der Donut. Bild das eine Überzeugungsrede unterstreicht.Gefühl der Trauer nach sich ziehen. In manchen Filmen finden aber auch Trauerreden statt, die eher humorvolle Ergebnisse zeitigen. Das kommt in der Realität wohl seltener vor.

Menschen zu unterhalten empfinde ich als zweit schwierigste Form – und das nicht nur auf einer Beerdigungsrede. Professionelle Trauerredner legen großen Wert auf den Unterhaltungswert ihrer Laudatio. „War das aber eine schöne Rede, die hat der Jonny aber wirklich verdient“. Da kann die Trauerrede durchaus einige Aspekte enthalten, die nur wenig Trauriges suggerieren. So einen Redner merkt man sich vor, schließlich kommt man eines Tages selbst in die Situation eines Laureaten.

Als schwierig empfinde ich persönlich Unterhaltung nicht, wenn es darum geht Wissen zu vermitteln. Ein Kuppeleffekt der Wissensvermittlung sollte die Unterhaltung sein. Wenn also Seminarteilnehmer ein Seminar als kurzweilig bewerten, kann es einerseits sein, dass der vorgetragene Stoff für den eigenen Bedarf als so wichtig und hochwertig angesehen wird, dass die Durchführung als kurzweilig wahrgenommen wird, andererseits ergibt sich die Kurzweil aus dem Unterhaltungswert, der neben der Wissensvermittlung erzeugt wird. In meinen 5 tägigen PMP Seminaren erzähle ich mehrmals täglich kleine lustige Anekdoten. Allein dieses Feature lässt Unterhaltung aufkommen und damit Kurzweil.

Jetzt habe ich mir gedacht, wenn meine kleine Anekdoten so gut ankommen, warum versuche ich mich nicht mal als Stand Up Künstler? Gedacht – getan, so trat ich in Bonn auf einer offenen Bühne auf. Thema: „Achtung der Trainer kommt!“ Das Ganze war ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Unterhaltung ist eben nicht Wissensvermittlung mit Anteilen an Unterhaltung. Es ist ein vollkommen anderer Anwendungsbereich der Rhetorik. Aber ich gebe nicht auf. Das nächste Mal will ich als Gewinner von der Bühne gehen! Mein Ziel ist Nightwash!

Unterhaltung in der Wissensvermittlung hat aber weitere positive Effekte. Lesen Sie dazu meinen Artikel: Humor im Seminar als Treiber in Lernprozessen.

Kleiner Tipp nebenbei: Wenn Sie die Kompensation von Lampenfieber trainieren wollen, treten Sie auf eine offenen Bühne auf.

 

Sie möchten Verhalten ändern

Wenn ich den oben genannten Effekten eine Wertigkeit zuordnen sollte, dann sehe ich in dem Ziel „Verhalten zu ändern“ das schwierigste Unterfangen. „Verhalten“ bei Erwachsenen zu ändern, bedeutet jahrelang antrainierte Gewohnheiten durch neue Verhaltensweisen zu ersetzen. McDonalds bspw. soll in der Türkei mehrere Jahre  größte Probleme gehabt haben, sich zu etablieren. Die Türken waren es gewohnt, bedient zu werden. Noch heute gibt es an den Tankstellen den Betankungsservice oder vor relativ normalen Restaurants steht ein „Einparker“. Der Einparker übernimmt das Fahrzeug des Gasts und kutschiert das Auto auf den Parkplatz.

Da ergeben sich manchmal skurrile Bilder. Da kommt eine türkische Familie mit einem uralten VW Käfer vorgefahren - der Einparker hilft beim Aussteigen – Papa und Mutti, Opa und Oma sowie 3 jugendliche Kinder steigen aus, was seine Zeit dauert, da man sich erst mal entknoten muss. Der Einparker fährt anschließend die alte Kiste ein paar Meter weiter in eine Parklücke.

Wenn Sie also durch Ihre Rede oder Ihren Vortrag Verhalten ändern wollen, stellen Sie sich auf folgende Kriterien ein:

  1. Authentizität: Authentizität wird mit Echtheit übersetzt. Die meisten Menschen besitzen einen unbewussten Sensor für die Authentizität anderer Menschen. Allerdings gibt es Künstler oder Manipulatoren, die so gut Authentizität vortäuschen können, so dass dieser Sensor überlistet wird. Diese Fähigkeit trifft aber nur auf wenige Menschen zu. Sie werden i.d.R. Authentizität nur ausstrahlen, wenn der Zustand der Echtheit wirklich gegeben ist. Authentizität hat sehr viel mit der eigenen Überzeugung zu tun. Wenn Sie etwas nachplappern oder selbst nicht umsetzen, wird es nicht besonders authentisch rüberkommen. Wenn Sie bspw. in Ihrer Abteilung den ökonomischen Umgang mit Materialien verbessern wollen, werden alle Mitarbeiter bei Ihrem ersten Meeting zu dem Thema an Situationen denken, in denen Sie nicht als Vorbild fungierten. Auch wenn den Mitarbeitern keine negativen Beispiele einfallen aber Ihnen selbst, auch dann werden Sie nicht das Maß an Authentizität ausstrahlen, das andererseits möglich wäre.

Ich kann da selbst ein Lied von singen. Als Zugführer bei der Bundeswehr gehörte es auch zu meinen Pflichten, den 15 Unteroffizieren und Mannschaften in meinem Zug, eine gewisse Ordnung bezüglich Ihrer Stuben und Schränke zu vermitteln. Ich gab mein Bestes, aber aufgrund meiner eigenen Unordnung war mein Zug immer das Schlusslicht der Kompanie in punkto Ordnung. Wenn ich die Spinde meiner Soldaten inspizierte, dachte ich immer an die Unordnung in meinem eignen Spind, was mein Durchsetzungsvermögen bei meinen Soldaten wohl etwas lähmte.

StrunzAuthentizität fehlt in der Regel auch, wenn Sie jemanden nachahmen wollen. Da gibt es jemanden, den Sie aufgrund seines Redeverhaltens bewundern. Der Versuch dieses Redeverhalten zu kopieren erbringt i.d.R. keine Authentizität. Sie sind ein einzigartiges Individuum und damit echt. Jemanden kopieren zu wollen, hat nichts mehr mit der Echtheit Ihrer eigenen Persönlichkeit zu tun.

„Was erlaube Strunz! Ich habe fertig!“, ist wohl das beste Beispiel für Authentizität. Trapattoni hat sich mit dieser Rede unsterblich gemacht. Haben Sie also keine Angst, vor der eigenen Authentizität!

  1. Fähigkeit des Empfängers: Aus einem Esel machen Sie kein Pferd. Wenn Sie durch Ihre extrinsische Einflussnahme das Verhalten einer Person oder mehrerer Personen verändern wollen, sollten Sie Gewissheit darüber haben, dass diese Klientel auch in der Lage ist, Ihre Vorschläge umzusetzen. Hier gilt das weiter oben Beschriebene zu beachten: Sie müssen die Klientel kennen, deren Verhalten Sie ändern wollen: Also wer ist Jonny? Welche Fähigkeiten und Interessen hat Jonny? Wie Aufnahme fähig ist Jonny?

Das gilt besonders für Vorgesetzte, die Verhaltensweisen Ihres Teams verändern wollen. Wenn Sie hier Ihren Anspruch an bestimmte Verhaltensweisen stringent vermitteln wollen, ohne das Potential der Klientel zu berücksichtigen, ernten Sie eher Frust als Verhaltensveränderung. In öffentlichen Veranstaltungen oder Vorträgen kann dies nur sehr bedingt funktionieren.

  1. Argumente: Gute, schlüssige Argumente, können bei vielen - nicht Beratungsresistenten – Menschen, zumindest eine Willensbekundung auslösen, ihr Verhalten zu ändern. Auch wenn die Willensbekundung nicht umgesetzt wird, so hatte Ihr Vortrag wenigstens den Effekt, dass man mit Ihren Ausführungen einverstanden ist und ihn für gut befunden hat. Insbesondere in öffentlichen Veranstaltungen wäre Ihr Ziel mit der Willensbekundung Ihrer Zuhörer erreicht. Ihr Ziel kann es nicht sein, dass alle nach Hause laufen und sofort mit der Umsetzung beginnen. Ein Vortrag kann sicherlich bei dem einen oder anderen Menschen etwas Starkes auslösen, ist aber nicht die Regel. Ziele sollten zudem überprüfbar sein. Eine zustimmende Atmosphäre innerhalb der Zuhörerschaft, kann also als Zielerreichung gewertet werden.

Veranstaltungshinweis für das Rhetoriksenminar in BerlinEine schlüssige Argumentationskette in Ihrer Rede zu nutzen, ist Teil einer präventiven Rhetorik. Eines der bekanntesten Möglichkeiten Argumentationsketten aufzubauen ist „These – Antithese – Synthese“. In der Regel verkörpert die These den Standpunkt des Redners, die Antithese dagegen eine Gegenaussage. Durch Beweise, Argumente oder Beispiele werden These und Antithese gestärkt oder geschwächt. Dabei sollten Pro - Argumente für die These – also den eigenen Standpunkt – steigernd aufbauend strukturiert sein, vom weniger Bedeutsamen zum Wesentlichen, die Antithese dagegen umgekehrt, vom Wesentlichen zum weniger Bedeutsamen. Mit der Antithese sollte allerdings anhand von Kontra – Argumenten gearbeitet werden. Die Synthese führt zu einer Entscheidung, die Sie entsprechend begründen. Die Begründung sollte so stark sein, dass Sie antizipierend sicher sein können, die Überzahl der Zuhörer auf Ihrer Seite zu haben.

Sollte der Zeitansatz nicht reichen, kann auch nur mit der Thesen Argumentation gearbeitet werden. Man lässt die Antithese einfach weg.

Argumente lassen sich auch durch Fragen erzeugen. In der Rhetorik heißt es „Wer fragt, der führt“. Dazu später mehr.

 

Lesen Sie:

4. Sie möchten mit Ihrer Rede überzeugen?

5. Wie erreiche ich meine Redeziele?

 

Hier schreibt Renee Ossowski, PMP

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Die SONOXO Akademie GmbH Salzburg ist eine Firmenschwester der SONOXO GmbH aus Berlin. Die SONOXO GmbH ist mit Projektberatern in diversen  Unternehmen unterwegs. Erfahrungen der SONOXO GmbH werden in der SONOXO Akademie adaptiert und in Trainings umgesetzt. Ein großes Augenmerk der SONOXO Akademie liegt auf der Habitualisierung des Erlernten, eine Transformation in unbewusstes Wissen. Die Seminare finden über Berlin hinaus, in den meisten Großstädten Deutschlands und Österreichs statt.

 

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