Rhetorik: Planen Sie eine Rede strukturiert Teil 4

Lesen Sie erst Teil 3

Sie möchten überzeugen

Die Überzeugungsrede enthält natürlich auch die Elemente einer Rede, die Verhalten ändern soll. Allerdings hat „Überzeugen“ nicht so viel Tiefgang wie „Verhalten ändern“ außer Sie Nuss besser als Himbeerverstehen „Überzeugen“ als Synonym für „Verhalten ändern“. Das hier fokussierte „Überzeugen“, soll keine Verhaltensänderung bewirken. Wenn Sie bspw. Ihren Partner davon überzeugen, dass die Nusscreme A besser ist als die Nusscreme B und darin eine Verhaltensänderung erkennen, dann ist jede Überzeugungsrede auch mit der Intention einer Verhaltensänderung verbunden.

Um die Sache auf den Punkt zu bringen, stellen Sie sich bitte folgendes vor:

„Sie lebten im 500 Jahrhundert vor Christus im alten Griechenland in der  Nähe Athens. Ihr Nachbar verklagt sie bei Gericht. Sie sollen in der letzten Nacht in seinem Schweinestall eine Sau gemordet, Ihre Beine abgeschnitten und diese gestohlen haben. Dem Nachbar war bekannt, dass Sie ein Liebhaber von Schweinshaxen sind, was eigentlich das einzige Indiz für Ihre Schuld zu sein scheint. (In der Antike konnte jeder Bürger Anklage erheben, der Anhaltspunkte für ein Verbrechen sah. In Zivilangelegenheiten, Strafrecht und öffentliches Recht gab es keine Staatsanwälte) Das Gericht setzt den Gerichtstermin in 3 Wochen fest. Die Strafe für diese Tat, kann für Sie immerhin bis zu 2 Jahre Kerker bedeuten.

Die Verhandlung findet vor der Volksversammlung (Ekklesia gr.) statt. Die Richter bestehen aus einem dem Zufallsprinzip unterliegendem Gremium von 100 bis 200 Bürgern, ohne juristische Ausbildung. Ca. 5000 – 6000 Bürger werden den Prozess live verfolgen. Sie als Angeklagter müssen sich selbst verteidigen. Einen Staatsanwalt gibt es nicht, diesen Part übernimmt der Kläger selbst. Angeklagter und Kläger stehen sich also gegenüber.“

Eine solche Rede nannte man damals „Prozessrede“. Sie erfüllt aber auch den Anspruch eine „Überzeugungsrede“. Es ging dabei also nicht darum, das Verhalten der Volksversammlung zu verändern. Es ging einzig und allein um eine Überzeugungsrede, die Ihre Unschuld oder Schuld belegen sollte.

Da Sie noch nie vor Menschen gesprochen haben, bezahlen Sie einen Logographen, der Ihnen die Verteidigungsrede schreibt. Da die Rede authentisch klingen soll, muss der Logograph Sie gut kennen lernen. Der Logograph musste also genau die Diktion (Ausdrucksweise, Stil) erreichen, die Ihnen zu Eigen ist. Danach mussten Sie die Rede auswendig lernen und vor den Besuchern und Richtern der Ekklesia halten.

Das größte Problem beim Vorbereiten einer Rede ist, dass man anders schreibt als man redet. Von daher unterscheidet sich eine abgelesene Rede erheblich von einer freien Rede. Sie als Bauer oder Bäuerin 500 v. C. waren aber nicht in der Lage eine freie Rede zu halten. Von daher versuchte der Logograph Ihre Diktion so gut wie möglich zu erfassen und ließ Sie die Rede auswendig lernen.

In der heutigen Zeit sollten Sie als Führungskraft den Mut und die Fähigkeit besitzen frei zu reden.

Die Überzeugungsrede ist in der heutigen Geschäftswelt die beherrschende Rede überhaupt:

  • Sie wollen eine Gehaltserhöhung, müssen aber erst Ihren Chef überzeugen.
  • Sie wollen einen neuen Flughafen bauen und müssen den Senat davon überzeugen.
  • Sie wollen MS Project benutzen und nicht JIRA.
  • Sie wollen in Ihrer Mannschaft nicht verteidigen sondern stürmen.
  • Sie wollen nach Norwegen in den Urlaub, nicht nach Spanien.
  • Anstatt einer Push – Strategie im Marketing, wollen Sie eine Pull – Strategie einführen.
  • Sie wollen, dass Ihre Firma eine PMP Zertifizierung bezahlt.

Im Seminar werden wir dazu ein Konzept entwickeln:

  • Das wichtigste Utensil einer freien Rede!
  • Wie bereite ich eine freie Rede vor?
  • Wie übe ich eine freie Rede?
  • Wie fokussiere ich die Beziehungsebene, Sachebene, Apellebene und Selbstoffenbarungsebene in der freien Rede?

Der letzte Punkt wird von den meisten Rednern auf das sträflichste vernachlässigt. Was glauben Sie, warum Donald Trump so unbeliebt ist? Das liegt nicht nur an seinen egoistischen und rechtslastig orientierten Aussagen, das hat erheblich was mit seinen gefühlsleeren Plattitüden zu tun.  

TIP: Um „Reden“ zu üben, wählen Sie sich anfangs nur Themen, worauf Sie ein „Recht“ erworben haben. Ein Recht erwerben Sie, wenn Sie aufgrund von Erfahrung oder Studium eines Sachverhalts sich kompetent fühlen, über dieses Thema zu sprechen. Diese „Recht“ kann verstärkt werden, wenn Sie auch emotional mit der Thematik verbunden sind. Fragen Sie mal eine Mutter nach dem Ablauf ihrer ersten Geburt. Diese Mutter, obwohl nicht rhetorisch geübt, wird in der Regel eine engagierte Rede über den Ablauf dieser Geburt halten können. Oder denken Sie mal über die drei wichtigsten Ereignisse in Ihrem Leben nach und erarbeiten Sie daraus „Reden“.

Oder laden sie Kollegen zu einem Diavortrag über den letzten Urlaub ein. Reduzieren Sie Ihren Vortrag aber nicht auf ein Kommentieren der einzelnen Bilder, sondern bereiten Sie eine stringente Präsentation vor, die ein bestimmtes Ziel vor Augen hat, z.B.: „Warum meine Arbeitskollegen nicht nach Österreich fahren sollten“ oder „Welche Kulturunterschiede zwischen Deutschen und Österreichern, machen einen Urlaub in Österreich zum Erlebnis?“

Aber denken Sie daran, der größte Überzeugungsmotor entsteht in Themen, auf die Sie ein Recht erworben haben und möglichst ein Recht, dass auch emotional besetzt ist.

Wie erreichen Sie Ihre Redeziele?

Ich denke, dass die vorherigen Ausführungen schon deutlich machten, dass auch eine Rede, eine Präsentation oder ein Vortrag ein Ziel haben muss. Häufig ergeben sich Ziele schonVeranstaltungshinweis für das Rhetorikseminar in Berlin aufgrund der Situation. Wenn Sie einer Gruppe von Hausfrauen und Hausmännern ;-), die Leistungsfähigkeit und die Alleinstellungsmerkmale Ihres neuesten Staubsaugermodells präsentieren wollen – ich spreche da aus Erfahrung, als junger Mann habe ich ein Jahr lang an den Türen Vorwerk Staubsauger verkauft -  steht das Ziel fest: Sie wollen Staubsauger verkaufen!

Es sollten aber auch Zwischenziele formuliert werden. Die Zwischenziele könnten lauten:

  1. Lockere Atmosphäre erzeugen und Beziehungsebene stärken. Schon beim Betreten der Wohnung auf Hinweise achten, die helfen die Beziehungsebene zu stärken. (Kinder, Bücher, neuer Fernseher, Familienfotos etc.)
  2. Kritische Bedenken beiläufig auf der Sachebene ausräumen.
  3. Elemente auf der Selbstoffenbarungsebene einstreuen: Bspw. eine kleine Anekdote aus der Zeit Ihrer Pubertät und Ihren Aversionen gegenüber Staubsaugern. Seitdem Sie einen Kobold haben, ist die Phobie wie weggewischt.
  4. Nicht den Staubsauger in den Mittepunkt der Präsentation stellen, die Teppiche und die Bedürfnisse des Besitzers thematisieren.
  5. Auf der Sachebene Alleinstellungsmerkmale Ihres Staubsaugers pointieren. Falls es die nicht gibt, wieder stärker die Beziehungsebene in den Mittelpunkt stellen.
  6. Auf der Apellebene gute Gründe für die Inbesitznahme dieses Staubsaugers nennen.

Sie merken schon, dass auch hier die vier Kommunikationsebenen von Schulz von Thun berührt werden. Wie man seine Redeziele erreicht, möchte ich hier nicht beschreiben. Die Zielerreichung ergibt sich aus der gesamten Komplexität der Rhetorik. Auch in einem 2 Tages – Seminar lässt sich diese Komplexität nicht umfassend darstellen.

 

Hier schreibt Renee Ossowski, PMP

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